Geburtsbericht von Tim (Schwangerschaftswoche 39+2)
Juni 7, 2006
Nachdem die Anfänge der Geburtsvorbereitung ja hier und hier nachzulesen sind, nun der eigentliche Bericht.
Also ich die Wehen weiter veratmet, bis wir uns dann um 8:00 Uhr mit unserer Beleghebamme vor dem K.haus trafen. Endlich konnte es weitergehen!
Ich war ich schon sehr ausgelaugt, da ich ja nicht geschlafen hatte und die Wehen seit 22:30 Uhr taten ihr übriges. Erst mal CTG gemacht, Blutdruck gemessen und Urin und Blutprobe abgegeben. Jetzt hieß es auf die Laborergebnisse warten. Denn von den Werten hing es ab, wie die Entbindung vonstatten gehen konnte.
Meine Hebamme untersuchte den Muttermund. Dieser hatte sich erst 1-2 cm geöffnet. Da hatte ich auf mehr gehofft, ehrlich gesagt. Wir warteten und warteten auf die Ergebnisse die dann um ca. 12:00 endlich mal da waren… Ich glaube die Laboranten haben alle noch kein Kind bekommen, sonst hätten die sich wohl mehr beeilt!
Ich sehnte den Augenblick herbei, wo es endlich weiter gehen konnte als bisher..
Dann war es endlich soweit. Meine Werte waren o.k, sodass der Wehentropf meinem Körper auf die Sprünge helfen konnte. In der Zwischenzeit kam das Mittagessen, welches Tasmin und Marcus genüsslich im Kreissaal verspeisten. Die hatten Nerven!
Die Wehen wurden nun durch den Tropf verstärkt und das Veratmen der Wehen fiel immer schwerer. Irgendwann sagte meine Hebamme (ca. 14:15) dass Tasmin jetzt besser abgeholt werden sollte.
Nachdem sie weg war (Marcus´ Eltern haben sie abgeholt), ging es richtig los. Die Wehen kamen aus dem Bauch, statt wie bei Tasmin aus dem Rücken. Und ich empfand diese durch den Tropf auch stärker und schmerzhafter als bei meiner Großen. Niemals hätte ich gedacht, dass der Schmerz von damals noch zu toppen wäre.. Er war!
Das Einatmen klappte immer noch ganz gut, aber das Ausatmen ging nur noch japsenderweise und mit Gestöhne.
Der Tropf wurde auf 10, 20, dann auf 30 gestellt. Die Fruchtblase platzte und dann ging´s ab! Dadurch dass die schützende Hülle nicht mehr da war, wurden die Schmerzen und der Druck nach unten schier unerträglich. Irgendwann jammerte ich nach einer PDA , aber Marcus und meine Hebamme bestärkten mich noch mal und sagten mir, dass ich ja eigentlich keine wollte. Das gab mir irgendwie wieder neue Kraft. Überhaupt waren meine Hebamme und Marcus ein tolles Team.
Und innerhalb von 1 ½ Stunden öffnete sich dann der MuMu von 3 (14:15 Uhr) auf 10 Zentimeter! Der Wehentropf hatte SOWAS von angeschlagen!
Damit hatte selbst meine Hebamme nicht gerechnet, denn sie hatte um 15:15 Uhr noch gesagt dass das Baby wohl noch kommen würde bevor es dunkel würde. Wohlgemerkt, Tim kam keine halbe Stunde später!!
Ich schrie, dass ich das im Leben nicht glauben würde, da mein Körper schon diesen Druck nach unten, und das Pressgefühl hätte.
Sie schaute noch mal nach dem Muttermund, fragte nur noch, ob ich auf den Gebärhocker wollte und sagte „10 Zentimeter. Sandra, du darfst gleich pressen!“
Ich konnte das gar nicht fassen, ehrlich gesagt. Gerade hieß es doch noch „bevor es dunkel wird“….. Ich funktionierte nur noch irgendwie.
Ich konnte mich weder auf den Hocker noch sonst wohin bewegen, und sagte nur dass sie mir das Kopfteil des Bettes höher stellen solle, sodass ich bewusster mitarbeiten/pressen könne.
Ich presste, und noch mal… da spürte ich schon das Köpfchen im Becken. Was für ein Gefühl!!! Es schmerzte wahnsinnig, da der Damm sich ja weitete und Nathalie vermeiden wollte, diesen zu schneiden. Bei Tasmin hatte ich dieses Gefühl nicht, da die Ärzte mich direkt geschnitten haben und sie so raus geschossen ist. Ich wollte pressen auch ohne Wehe, da das Gefühl des Köpfchens im Becken so schmerzhaft war, und dann war Tim schon auf der Welt!
Marcus und ich fingen gleichzeitig an zu weinen. Ich schaute nach unten und sah Tims Männlichkeit in voller Pracht vor mir liegen! Ich flüsterte „Ein Junge, wie schön!“ Wir hatten uns das Geschlecht ja vorher nicht sagen lassen. Ein Moment der Glückseligkeit..
Und nach diesem kurzen Augenblick kamen die schlimmsten Minuten unseres Lebens.
Unsere Hebamme nabelte Tim ab, riss die Kreissaaltür auf und schrie „Kinderärzte!“ Dann beatmete sie ihn. Die Tür ging auf und der Chefarzt der zufällig nebenan war kam reingelaufen, beatmete Tim weiter und klopfte ihm auf die Füße. Dann sah ich nur noch Schwestern und Ärzte in blauen Kitteln (das waren die Mitarbeiter der Kinderklinik, die dem K.haus angrenzt) um unseren Sohn rumstehen und hektisch agierten. Die Zeit bis diese kamen, schien mir unerträglich lang.
Ich sagte die ganze Zeit zu Marcus dass ich bestimmt schuld wäre, ich hätte irgendwas falsch gemacht. Wir weinten und hatten solch unheimliche Angst, das kann man in Worten nicht beschreiben.
Tim wurde dann direkt auf die Kinder-Intensivstation gebracht. Dann wurde ich versorgt und genäht (mein Damm war nur innen ein minimal gerissen). Als das beendet war, wollte ich sofort aufstehen. Mir wurde schwarz vor Augen und ich sollte liegen bleiben, wenigstens noch eine halbe Stunde. Aber ich wollte zu meinem Sohn!!
Marcus und ich sind dann trotzdem auf die Station gegangen, und da lag der kleine Mann in seinem Wärmebettchen. Er war ganz nackt und hatte überall Kabel und Schläuche. Wir durften ihn nicht anfassen und uns liefen die Tränen nur so runter. Was war nur passiert..?
Die Ärztin erklärte uns dass sein Zustand jetzt stabil sei aber beobachtet werden müsse und auch, was während der Geburt passiert sei.
Diese letzte Stunde, als der Muttermund so schnell aufging und Tim quasi durch den Geburtskanal rauschte, war viel zu schnell für ihn.
Ausserdem hatte mir meine Hebamme ein Schmerzmittel (Mevit, Meptid??) in den Wehentropf getan, da sie der Meinung war, dass die Geburt noch dauern würde.
Dieses Schmerzmittel kam nur nie bei mir an, sondern Tim hatte es nun voll abbekommen..
Dadurch dass ich immer sehr gut in den Bauch geatmet hatte, waren die Herztöne zwar die ganze Zeit während der Geburt top. Aber das alles hat den Kleinen so mitgenommen, dass er einfach nicht selbstständig geatmet hat.
Wenn er sich zeitgerecht entwickelt, brauchen wir uns keine Sorgen mehr machen (wg. evtl. Gehirnschäden). Das kann man wohl schon nach 1 Jahr ausschließen, oder eben nicht. Aber ich bin guter Dinge. Denn wenn ihr den kleinen Wonneproppen jetzt sehen könntet, wie er agiert, trinkt.. er ist ein zähes, kleines Kerlchen! Ich kann da keinen Unterschied zu Tasmin früher sehen. Im Gegenteil, er ist eindeutig agiler!
Ich bin dann noch im Krankenhaus geblieben (in einem sogenannten Mütterzimmer), damit ich für Tim da sein konnte. Und jetzt sind wir zu Hause. Die Bilder vom Ende der Geburt kommen immer wieder. Und gerade musste ich auch wieder weinen als ich schrieb. Aber ich rede viel mit meiner Hebamme und mit Marcus, und so arbeiten wir das hoffentlich auf. Ich kann mir jetzt ansatzweise vorstellen wie es Müttern/Vätern gehen muss, die noch viel Schlimmeres erleben mussten als wir. Die ganzen Frühchen die ich z.B. gesehen habe, das hat einem wirklich das Herz gebrochen..
Ich weiß nur eins… Falls ich noch mal schwanger werden sollte kommt für mich nur noch ein geplanter KS in Frage. Und das von einer absoluten Gegnerin des KS auf Wunsch! So ein Risiko würde ich nie mehr eingehen. Ich habe jetzt 2 Geburten hinter mir. Beide spontan entbunden, beide ohne PDA. Weil ich keine Risiken eingehen wollte.
Aber niemand hat mich ausreichend informiert (vielleicht hatte ich auch nur die rosarote Brille an..) dass die Gefahren bei einer natürlichen Geburt so groß sein können. Nichts gegen diese. Ich wolte ja auch unbedingt zweimal natürlich entbinden. Wenn es so klappt, wunderschön. Für mich nie, nie mehr! Tasmin musste damals auch an den Sauerstoff angeschlossen werden, konnte mir erst nach einer halben Stunde gegeben werden. Sie hat sich aber schnell erholt, war sofort superfit. Und jetzt Tim.. Noch mal mache ich so was nicht mit.
Euch Schwangeren (oder denen die es gerne werden möchten) möchte ich sicher keine Angst machen. Und ich wünsche euch von ganzem Herzen dass es auf natürlichem Wege klappt (sofern ihr das wollt). Aber ich möchte auch nichts beschönigen. Lasst euch vorher genau aufklären was passieren kann. Und falls ihr die Wahl habt zwischen Klinik mit, oder Klinik ohne Kinderklinik.. Nehmt bitte die mit Kinderklinik.
Ich hatte ja ursprünglich in Erwägung gezogen dort nicht noch mal zu entbinden, wg. meiner schlechten Geburtserfahrungen mit den dortigen Hebammen bei Tasmins Geburt. Was bin ich froh, dass ich mich um entschieden habe!
Keine Hausgeburt, und immer am Ende ein Arzt dabei. Das sind meine gutgemeinten Ratschläge.
Hier Tims Daten:
*07.06.06 15:39 Uhr
Länge 53 cm, 3560 Gramm, KU 34,5 cm







Juli 21, 2008 at 4:56
[...] ich zum zweiten Mal Mutter wurde, habe ich jede freie Minute zum putzen, was im Haushalt machen etc.. genutzt. Seitdem aber dieses [...]
Mai 12, 2009 at 1:50
[...] dann ausgerechnet am Geburtstag unserer Mutter und 2 Tage vor dem Geburtstag von Tim. Und eigentlich kann ich mir da auch so kurzfristig keinen Urlaub nehmen. [...]